zurück…ganz anders als geplant…

…die letzten vier Monate verliefen doch ein wenig anders als zu Beginn meiner Saison geplant – nach der langen Anreise per Auto und Fähre nach Palma de Mallorca konnte ich endlich wieder aufs Wasser. Sieben Tage Training mit dem Motorboot vom Segler-Verband Niedersachsen e.V. folgten und dann auch schon mein erstes Event der Saison 2017; die international stark besetzte Princess Sofia-Regatta.

 

Auf Grund der großen Teilnehmerzahl wurde wieder mal in zwei Gruppen gesegelt, sodass mein Ziel sofort klar war: „Die ganze Woche in „Gelb“ segeln!!!“ (oder auch anders ausgedrückt, die „Goldfleet“ zu erreichen) Nach der ersten Gruppeneinteilung sah dies gar nicht mal so schlecht aus, sodass ich die ersten beiden Qualifiktionsläufe in der gelben Gruppe segeln durfte. Zwei „top Ten“ Ergebnisse ermöglichten es mir auch am zweiten Qualifikationstag in der gelben Gruppe zu segeln, jedoch lief es an diesem Tag nicht wirklich berauschend… aber trotzdem schaffte ich es mit Platz 32, neben einer weiteren DSV-Nachwuchskader-Seglerin, als einzige deutschen Laserfrauen in die Goldfleet! à Ziel „Ganze-Woche-Gelb“ geschafft.

Eigentlich hätte ich nun befreit Aufsegeln sollen, ich hatte nichts mehr zu verlieren… doch zu meinen Ungunsten wurden am folgenden Tag während der Startverschiebung auf Grund eines Protestes der Laser Standards urplötzlich noch einmal die Gruppengrößen geändert, sodass statt den zuvor geplanten 42 Seglerinnen, nun 60 Starterinnen in der Goldfleet zugelassen wurden. Ich hatte so hart gearbeitet um mein Ziel der Woche zu erreichen und anders als die „glücklichen“ Seglerinnen, die noch unverhofft in die Goldfleet „aufstiegen“, war ich wirklich frustriert, denn ich hatte urplötzlich wieder etwas zu „verlieren“. Ich wusste überhaupt nicht mit der neuen Situation umzugehen und konnte den Frust darüber einfach nicht ablegen und verlor so meinen Focus für die Tage der Final-Series. Am Ende der Regatta reichte es für mich (leider nur) zu Platz 39 (von 84 Starterinnen).

Am 1.April ging es für Papa und mich dann per Fähre wieder aufs Festland und dann begann der Lauf gegen die Zeit, wir mussten innerhalb 24 Stunden wieder zu Hause sein, da Papa am Montag gleich wieder arbeiten musste.

Zu Hause angekommen folgten für mich 15 Tage des Athletik-Trainings in Kiel. Mein Trainings-Boot konnte ich zu diesem Zeitpunkt leider noch nicht mit nach Kiel nehmen, da noch einige Bootsreparaturen an meinen beiden Lasern anstanden, welche auf Grund der Temperaturen jedoch bis dato noch nicht durchgeführt werden konnten. Doch selbst dies war nicht allzu schlimm, da ich neben meinem Athletik-Training auch genug mit der Versorgung meines Fabis, der sich am 01. April während eines Fußballspiels einen Kreuzbandriss zugezogen hatte (…toller Aprilscherz…), zu tun hatte.

 

Am 20.  April machten wir uns dann jedoch trotz Kreuzbandrisses aber mit O.K. von Fabis Arzt gemeinsam auf den Weg zum SVN-Training an den Gardasee.  Mit einem kurzen Zwischenstopp in Wunstorf ging es am Karfreitag nach der Wohnmobilübernahme dann wirklich gen Süden. Nach vierzehn Stunden Fahrt, einer zerstörten Markise und zig Absagen der Campingplätze (obwohl ich eigentlich einen Campingplatz reserviert hatte…) hatten wir dann doch endlich Glück einen Stellplatz zu finden, der stundenweise durch Kleingeld bezahlt werden konnte. Toll… so begann also mein erster, richtig großer, Trip alleine zum Segeln dieses Jahr… Baustellen über Baustellen… mal wieder… letzten Endes entwickelte sich der Trip doch noch zum Guten.

 

Am Sonntag ging es nach den ganzen Strapazen dann endlich mit dem Training bzw. meiner intensiven Vorbereitung auf meinen ersten World Cup los. Hammer „Ora-“Bedingungen bereiteten uns einen wundervollen Trainingstag. Am Abend war dann der, gemeinsam mit den Optis organisierte, Niedersachsen Abend in der Villa Cian. Das Schneiden meiner Pizza fiel mir an diesem Abend bereits etwas schwer, da mein rechtes Handgelenk bzw. der Muskel auf meinem Arm schmerzte, doch wirklich Gedanken machte ich mir in diesem Moment darüber noch nicht. Am nächsten Tag segelte ich trotz Schmerzen… was anscheinend nicht wirklich gut war. Am dritten Tag hatten wir eine Früheinheit: um 07:45 Uhr ging es für uns aufs Wasser, doch ich hatte keine Chance. Die Schmerzen determinierten meine Segelei und es ging einfach gar nichts mehr außer einhändig Segeln, sodass ich ab diesem Zeitpunkt in Hinblick auf die bevorstehende Woche bzw. den bevorstehenden Sailing World Cup in Hyeres, zu dem es ja just vom Gardasee aus gehen sollte, leider das Training am Gardasee abbrechen musste. …leider ganz anders als geplant…

 

 Ich lief dauerhaft mit Salben-Verband rum und musste mehr oder minder das gute Wetter am Gardasee von Land aus genießen. Einen Tag machten wir daher auch einen Ausflug nach Malcesine – so richtig im italienischen Style mit (gemieteten) Roller! Ich saß noch nie zuvor auf einem Roller und es kostete mich einige Überwindung, mich nicht weiter entgegengesetzt in die Kurven zu legen 😀
So an sich war es eine wirklich schöne Zeit am Gardasee, doch hätte ich viel lieber gesegelt, gerade in Hinblick auf die Vorbereitung zu meinem ersten Sailing World Cup in Hyeres, doch nur durch meine Pause konnte sich meine Hand wieder ein wenig auskurieren.

 

Am Samstagnachmittag kam Papa dann per Bahn und Bus am Gardasee an und wir machten uns ohne Fabi, dieser fuhr mit Freunden wieder gen Heimat, mit dem WoMo-MoBo-Geschoss auf den Weg nach Hyeres. Nach unzähligen Brücken und Tunneln auf der Autoroute entlang der  Côte d’Azur, leider nur in Dunkelheit vorbei an San Remo, Monaco, Nizza und Cannes, kamen wir mitten in der Nacht in Hyeres an und nutzen den erst besten Parkplatz am Club zum Schlafen. Am nächsten Morgen ging es direkten Weges zur Anmeldung und Vermessung, sodass wir nachdem alles erledigt war uns auf die Suche nach einem Campingplatz machen konnten (… der Campingplatz den wir angeschrieben hatten, meldete sich nicht und stellte sich dann vor Ort auch als wirklicher Flopp heraus…). Zu guter Letzt kamen wir auf dem Camping  du Domaine du Centurion 3 unter, auch wenn zuerst noch Bedenken wegen der Durchfahrtshöhe am Eingangs-Torbogen bestanden, fühlten wir uns dort die restliche Zeit sehr wohl.

 

Am Montag „durfte“ ich nicht segeln, ich wollte/sollte möglichst fit mit meiner Hand in den World Cup starten, daher machten wir eine Radtour mit nettem Umweg über die „Rue del Sel“ zum Einkaufen. Auf dem Weg sahen wir sogar freilebende Flamingos in den Salzsalinen stehen!!!

 

Die folgenden Segeltage waren durchwachsen und von Up und Downs durchzogen. Nach anfänglichen Schwierigkeiten mit den Wellen, da ich nun, gerade im Verhältnis zu den anderen Teilnehmerinnen, eine längere Zeit nicht gesegelt war und wirklich schlechten Ergebnissen, gewöhnte ich mich langsam wieder an das Boot und die Bedingungen. Doch eine viel größere Herausforderung stellte meine Hand dar… sie tat während des Segelns durch die gute Vorsorge von Taping und Schmerzmittel nicht sonderlich weh, dennoch „lebte“ ich neben dem Segeln „nur noch“ für die Hand, um sie Tag für Tag irgendwie wieder so fit zu bekommen, um die nächsten Wettfahrten bestreiten zu können.

 

Im Allgemeinen war es eine tolle Erfahrung an einem Sailing World Cup teilnehmen zu dürfen, mein Ziel unter die „top 30“ zu segeln habe ich mit Platz 37 von 55 Teilnehmerinnen zwar knapp verfehlt, aber unter den nicht optimalen Voraussetzungen mit meiner Hand bin ich froh einiges an Erfahrungen aus einer Regatta mit Top-Niveau und den weltbesten Laser Radial-Seglerinnen mitnehmen zu können. Am Sonntag ging es dann auch schon wieder auf den langen Heimweg.

 

 

Wieder in Deutschland angekommen hieß es für mich erst einmal zum Arzt und abchecken was nun wirklich mit meiner Hand los war. Leider musste der Arzt feststellen, dass es eine Sehnenscheidenentzündung war. Ich bekam Diclofenac aufgeschrieben, eine Gipsschiene und durfte zwei Wochen möglichst nichts mit meiner Hand machen… tolle Wurst …leider ganz anders als geplant…

 

Eigentlich wollte meine Britische Segelfreundin Ellie, mit der ich quasi den gesamten Winter verbracht hatte nach Deutschland kommen, um gemeinsam mit mir in Steinhude zu trainieren und dann die Silberne Seerose zu segeln, die am Wochenende 06./07.05.2017 stattfinden sollte; doch dieses Vorhaben hatte sich auf Grund der Diagnose dann leider erledigt. …leider ganz anders als geplant…
Trotzdem verbrachte ich das Wochenende in Wunstorf mit meiner Familie und genoss es auch mal eine „Zwangspause“ einzulegen. Doch Pause hieß nur „Hand still halten“, mein restliches Athletik-Training, welches sich dann leider nur noch auf Beine, Rumpf und Ausdauer beschränkte wurde natürlich weiterhin durchgezogen.

 

Die folgenden Wochenenden standen dann ganz im Zeichen meiner Trainerausbildung; eindampfen in die Vorspring beherrschte ich auf der Comfortina 32 der CAU (Uni-Kiel) genauso perfekt, wie all die anderen Prüfungsrelevanten Informationen die mir abverlangt wurden, sodass ich am Ende des Wochenendes (endlich) meinen Sportbootführerschein See in Schilksee in den Händen halten konnte. …endlich mal wie geplant…

 

Frisch bestanden ging es für mich am folgenden Wochenende gleich, voll bepackt, weiter zu meinem Praxiswochenende der Trainer-C-Breitensportlizenz vom SVN nach Geeste ans Speicherbecken, auf dem ich meine Motorboot-Fahrkünste dann praktischer Weise gleich beweisen und zudem auch noch weiter (trainingsspezifisch) ausbauen konnte. Zudem musste ich mit Bjarne Lock, aus dem Seglerverein Großenheidorn und ebenfalls SVN-Laser-Kadersegler, meine Lehrprobe zum Thema „Laser –Sailing: Wenden- und Halsen-Technik“ vorstellen und gleichzeitig auch an bzw. mit Laser-Neulingen durchführen. Wirklich eine große Erfahrung!
Am Ende des Wochenendes konnte ich mich somit also auch C-Trainerin (für den Breitensport) schimpfen! J …auch endlich mal wie geplant…

 

Am Sonntagnachmittag ging für mich die Reise dann mit meinem Wohnmobil-Anhänger-Geschoss von Geeste direkt weiter nach Medemblik/Niederlande ans Ijsselmeer zur Delta Lloyd Regatta  (23.-27.05.20147), wo Ellie, meine britische Segelfreundin, schon sehnsüchtig auf mich wartete, um für die Woche bei mir ins WoMo einzuziehen. Am Montag folgte ein Tag Training an dem ich mich netter Weise „meiner“ britischen Trainingsgruppe anschließen durfte. Den Rest der Woche hatte ich das Glück, dass ich meinen Trocken-Beutel mit meinem Proviant beim Deutschen-DSV-Trainer Peer Baggøe abgeben durfte, obwohl er ja eigentlich die DSV-Kadersportler zu betreuen hatte. Ich war/bin ihm wirklich sehr dankbar für seine Hilfe!!! Meine Serie war recht durchwachsen, an manchen Tagen lief es richtig gut, so z.B. am zweiten Qualifikationstag mit weniger Wind, Platz 11 und Platz 15 (ich sag Euch: ich bin doch eine Leichtwind-Rakete geworden ;-P ) und an anderen eher weniger, wie am vorletzten Tag, wo ich das Windsystem einfach nicht durchblickte und leider nur einen Vorletzten und Letzten in der Goldfleet ersegelte… doch mein Ziel „die ganze Woche Gelb!“ hatte mal wieder geklappt, also wenigstens ein Trost. Letztlich sicherte ich mir mit meiner doch eigentlich recht soliden Serie den 31. Platz in einem wieder Top-besetzten Feld von 68 Starterinnen, da alle die Delta Lloyd Regatta als WM Vorbereitung nutzten und war somit dritte Deutsche, was mich trotz „mangelnden“ Trainers doch irgendwie auch ein wenig stolz machte. Am Samstag trat ich dann nachdem alles verladen war und ich sogar noch ein Boot, vom mexikanischen Olympiateilnehmer Yanik Gentry, mehr auf meinem Anhänger hatte die direkte Heimreise nach Kiel bzw. Schilksee an.

 

Dort angekommen warteten Fabi und Noah, ein Segelfreund vom SVN-Kader, auf mich um mir beim Boot abladen zu helfen, denn am diesem Himmelfahrtswochenende stand wie jedes Jahr das Kooperationstraining vom DSV an. Den  Sonntag nahm ich so natürlich praktischer Weise noch als Trainingstag und weitere WM-Vorbereitung mit, wann hatte schon mal trainergestütztes Training, durch Fabian Kirchhoff in Schilksee?! J Es ging am Sonntag mit einem langem Vormwindgang bis zum Kieler Leuchtturm mitten in der Kieler Bucht und dann schlief der Wind ein… ganz anders als geplant… doch glücklicher Weise baute er sich wenig später wieder auf und war stärker als zuvor, sodass wir den Trainingstag noch mit einer gute Ausreit-Ausdauer-Session beendeten.

 

Die folgende Woche bis zur Young-European-Sailing, wurde wieder fleißig trainiert, gesegelt und die Uni in meinen Wochenplan eingebaut. Meine rechte Hand lies hierbei nur ab und zu was von sich merken… doch irgendwie war es anders als geplant… es waren nun schon fast vier Wochen der Diagnose vergangen und eigentlich tat ich alles, damit meine Hand wieder besser werden konnte.
Am Pfingstwochenende war es dann wieder einmal soweit – Regatta in Schilksee, oder wie man auch sagen könnte: schon einmal die „kleine Kieler Woche“ miterleben, die Young-European-Sailing.

 

Am Samstag den ersten Regattatag konnten wir durch das aufkommende Gewitter leider nur ein Rennen segeln. Mit einem 4. Platz hatte ich so einen recht vernünftigen Start in die Regattaserie. Am Pfingstsonntag galt es dann die verpassten Rennen nachzuholen, es waren 4 Rennen geplant! Ackern war angesagt, Boot-Speed und –Handling passten eigentlich, aber irgendwie fand ich nicht den richtigen Rhythmus. Obwohl die ersten vier Plätze an diesem Tag  irgendwie immer nur unter Hannah Anderssohn, der türkischen Olympiateilnehmerin Cagla Donertas, Lena Haverland und mir ausgemacht wurden, segelte ich trotz optimaler Hängebedingungen mit den Plätzen 4, 2, 4 und 4 zwar eine konstante Serie, doch irgendwie auch meinen Erwartungen hinterher. …leider anders als geplant…

 

Zurück an Land war ich wirklich tot! Vier Wettfahrten unter „Volllast“ waren echt schon heftig, doch es macht bestimmt stark für die Zukunft! 😉
Der letzte Regattatag war besonders schwierig, direkt unter Land am Leuchtturm von Bülk – böig und drehende Winde!!! An diesem Tag hatte ein guter Start leider nichts zu heißen, man musste auch nicht nur starr auf eine Seite segeln, nein, der Schlüssel zum Erfolg war es, optimal vorrausschauend zu segeln. Dies gelang mir im ersten Rennen recht gut, nach einer extremen Aufholjagd reichte es noch zu Platz 3, genau so konnte ich im zweiten Rennen, leider meinen Platz nicht weiter nach vorne ausbauen, da ich einfach zu versteift auf das bisherige Schema gewesen bin. Im Gesamtergebnis hieß es somit für mich Platz 4, hinter Hannah Anderssohn, der Türkin Cagla Donertas und Lena Haverland. …leider doch ein wenig anders als geplant… doch die Drei sind an diesem Wochenende auch einfach super gesegelt! J

 

Die nächsten zwei Wochen und das Wochenende 10./11.06.2017 wurde dann wieder so ordentlich wie möglich trainiert, denn nach der YES meldete sich meine rechte Hand wieder zurück. …leider ganz ganz ganz anders als geplant… L L
Gesegelt wurde trotzdem möglichst jeden Tag, vor allen Dingen am Wochenende, da zu dem Zeitpunkt der niedersächsische Landeskader in Schilksee trainierte und mein Athletik-Training beschränkte sich somit leider wieder auf das tägliche Bein-,  Rumpf- und Ausdauertraining.

 

Und dann stand auch schon eines meiner nächsten wichtigen Events an: die Kieler Woche! Und kaum zu glauben aber wahr, dieses Jahr ist bzw. war das erste Jahr, seit dem ich in Kiel lebe und es den olympischen und internationalen Teil für die Laser Radial gibt, in dem ich endlich auch mal die Kieler Woche live in der City ohne (nur) Segeln miterleben konnte!!! Denn dieses Jahr segelte ich nur den olympischen Teil mit! Trotzdem führte mein Weg des Öfteren nach Schilksee, denn meine britische Segelfreundin Ellie lebte die gesamte Kieler Woche in unserem Wohnmobil , da sie bereits den internationalen Teil als Trainings-Regatta mitsegelte. Und zudem stand als Abendprogramm natürlich wiedermal die Ku(h)lt Band „United Four“ auf dem Plan (Ellie war komplett fasziniert!!! ;-D )
Für mich begann der sportliche Teil der Kieler Woche auch am Mittwoch, den 21.06.2017, vier Wettfahrttage und ein Medalrace-Tag standen bevor, zudem segelten wir auf Grund der recht hohen Starterzahlen in zwei Gruppen. Somit stand mein Ziel von vornherein wieder einmal fest à Ziel: „Ganze-Woche-Gelb“ und dann noch optimaler Weise das Medal Race erreichen!

 

Der Einstieg in die Regattaserie gelang suboptimal, obwohl ich in Gelb war und der Wind mir hätte eigentlich liegen müssen; nicht zu viel aber auch nicht zu wenig… Platz 17 und 19, ein nicht gerade idealer Tag. Am nächsten Morgen ließen die Wetterverhältnisse leider zu wünschen übrig, zuerst übelster Starkwind und dann im Rennen brach er einfach einmal komplett zusammen, währenddessen zündete natürlich meine (Leichtwind-) Rakete, sodass ich nach der Tonnenrundung am Lee-Gate und einem Stück Kreuz fast 10 Plätze aufgeholt hatte!!! Doch leider wurde das Rennen abgebrochen, es wäre aber auch zu unfair geworden. So bot sich die Gelegenheit zu einem Small-Talk mit der, mir schon seit langem bekannten, Weißrussin Tatiana Drozdovskaya, die mich nur (auf Englisch) fragte: „Was ist hier denn bloß mit dem deutschen Wetter los?!“ Letztlich wurden am zweiten Regattatag keine Rennen mehr gesegelt, da ein herannahendes Gewitter die weiteren Wettfahrten verhinderte und wir frühzeitig in den Hafen geschickt wurden. Am Freitag standen somit wieder drei Rennen an, die sogar im SAP-Analysetool getrackt wurden (Link findet Ihr bei Interesse ganz unten mit angehängt J ). Vielleicht war das ja ein Ansporn, denn an diesem Tag war ich gut unterwegs, mein Boot-Speed stimmte und auch das Lesen des Windfeldes klappte besser,  klar, meine Starts hätten besser sein können, aber durch gute taktische Entscheidungen schaffte ich es immer unter die Top 10. Mit den Einzelplatzierungen 2, 8 und 9 beendete ich die Qualifikations-Serie und war sicher in der Goldfleet à Ziel „Ganze-Woche-Gelb“ erreicht …wie geplant! J

 

 

Der letzte Tag lief dann wieder nicht so gut, vielleicht wollte ich nach dem Tag zuvor einfach viel zu viel und segelte ein wenig verkrampft. Ich versuchte mich auf meine Starts zu konzentrieren und mein Bestes in jeder Situation zu geben. Im letzten Rennen wollte ich dann noch einmal komplett frei auf segeln – am Start hatte ich dann jedoch eine riesen „Baustelle“. Ich hatte eine der Kanadierinnen in Lee und Hannah Anderssohn in Luv von mir, in den letzten 12 Sekunden vorm Startsignal begannen wir dann anzuziehen, ich hielt mich von der Kanadierin in Lee frei und unser Dreierpäckchen fuhr gen Startlinie, da wir aber schon recht nah an der Startlinie waren, fing Hannah irgendwann an tiefer zu fahren und berührte mich mit ihrem Segel. Durch den starken Druck in der Luft kenterte sie fast auf mich, sodass nur die Kanadierin noch freikam. Hannah hing weiterhin schräg vor meinem Bug. Ich informierte sie, dass ich gegen sie protestieren würde und sie nahm ihre beiden Kringel (720°-Drehung) als Ersatzstrafe sofort an. Toll… ganz anders als geplant… musste ich bzw. wir beiden nun das Feld von hinten aufrollen und starteten gefühlt 1 Minute hinter allen anderen aus der Goldfleet. Ich konnte mich noch bis auf den 19. Platz vorarbeiten , aber mit dem 20 und 15 Platz aus den Rennen zuvor, fiel ich im Gesamtranking leider auf Gesamtrang 21 zurück, hinter meiner Britin Ellie Cumpsty (Platz 20), aber noch vor meine gute Freundin Lena Haverland (Platz 22). Dies bedeutete; leider kein Medalrace für mich… L

 

Nachdem am Sonntag die Boote von Ellie und mir verladen waren, Ellie verbrachte nämlich die Woche zwischen KiWo und anstehender Warnemünder Woche bei uns in Deutschland, ging es für uns alle gemeinsam zum Abschluss der Kieler Woche natürlich zum Feuerwerk auf die Kiellinie.
Die Tage nutzten wir für ein bisschen Sightseeing, extremes Athletik-Training, Entspannung, ein bisschen Deutsch Unterricht und „Abzappeln“  bzw. Tanzen J J J bis wir am Freitagmorgen im strömenden Regen mit WoMo in Richtung Warnemünde zum Europacup aufbrachen.

 

Leider ließ der Dauerregen auch bei unserer Ankunft in Warnemünde nicht nach, sodass wir im strömenden Regen (!) unsere Boote entladen mussten, doch widererwartend war die Stimmung zwischen Ellie und mir bombastisch J Nachdem alles eingerichtet war, machten wir uns mit unserem einzigen Regenschirm erst einmal auf den Weg in die Stadt, um uns mit einem zweitem, neuen Schirm ein wenig wetterfester auszustatten,! Am Abend kam Fabi noch an, der anscheinend dann auch das „bessere Wetter“ mitbrachte…
Am Samstag ging es mit leichten Schauern in den ersten Regattatag, da hätte man sich dann doch schon mal die Applikation „nur Sonnenschein“ wie bei dem Computerspiel „Virtual Skipper“ gewünscht ;-P

 

Nach dem ewig langen Weg zur Bahn Charlie, waren wir (Ellie und ich) bei  diesen Europacup auf uns alleine gestellt, doch dankbarer Weise nahm Peer Baggøe (DSV-Trainer Laser Radial) wieder einmal meinen „Futterbeutel“ aufs Schlauchboot à Hierfür noch einmal mein großer Dank an Peer!!!  Zu allem Überfluss bekamen es die Radial-Jungs nicht auf die Reihe, bei Strom mit 17 m/min von schräg hinten, vernünftig zu starten. Nach zwei Stunden mit unzähligen Startversuchen der Radial-Männer, hatten endlich wir Damen unseren ersten Start, wobei das Rennen auf Grund eines ziemlichen Winddrehers dann auch noch einmal abgebrochen wurde. Der Kurs musste  neu gelegt werden. Dennoch schafften wir die 2 geplanten Rennen, brauchten dafür aber gefühlt eine Ewigkeit und kehrten erst gegen 18:45 Uhr in den Hafen zurück. Mit einen 6. und einen 2. Platz lag ich punktgleich vor Ellie auf Rang 2 hinter der souverän führenden Anne-Marie Rindom (Olympia-Dritte von Rio 2016).

 

An diesem Abend nahmen Ellie und ich dann sogar die kalte Container-Dusche in Kauf, denn „zur Feier des Tages“ wollten wir Essen gehen, hierfür fuhren wir nach Rostock ins mexikanische Restaurant „Salsarico“!
Am nächsten Tag klappte das Starten schon viel besser, wir hatten 18-19 Knoten Wind und verbrachten nur wenige Stunden auf dem Wasser. Die Platzierung des Podiums waren an diesem Tag immer gleich verteilt: Platz 1 ging jedes Mal an Anne-Marie Rindom, Platz 2 an Hannah Anderssohn und Platz 3 an mich. Wir beiden Deutschen konnten schon mal ab und zu bei der Dänin „Anklopfen und Hallo sagen“, aber im Finish war Anne-Marie einfach unglaublich stark! Hannah und ich waren nach diesem Tag punktgleich, ich nun aber auf Platz 3.
Der Montag war ein wenig anspruchsvoller, wir hatten zwar eine ähnliche Windrichtung, aber mit deutlich mehr Winddrehern als am Tag zuvor. Ich erkämpfte mir zweimal den 4. Platz, wobei ich taktisch, technisch und athletisch wirklich auf Hochtouren arbeitete. Positive Highlights: eine Situation während der Luvtonnenannäherung im Päckchen mit 3 anderen Schiffen (Hannah A., Pauline L. und Ellie C.) und eine weitere dann beim Zieldurchgang, wo ich reachender Weise noch die Innenposition bei der deutschen Pauline Liebig am Zielschiff bekommen hatte und da ich beide Male wirklich clever aus der Situation profitiert hatte, war ich auch ein wenig stolz auf mich selbst.

 

Gesamtrang 3 stand somit an diesem Abend auf der Liste, nun jedoch mit einem Pünktchen hinter Hannah, über den ich mich ein wenig ärgerte, da es bei meinem einen Zieldurchgang doch noch ein Dritter hätte werden können…
Am letzten Tag herrschte „viel zu viel“ Wind, sodass alle Rennen abgesagt wurden und die Preisverteilung somit frühzeitiger stattfand. Das erste Mal für mich ein Podiumsplatz bei einem Europacup und wie ich das angestellt hatte wusste ich selbst nicht: ja klar ich bin super gesegelt, was mir zuvor in Warnemünde noch nicht gelungen ist … wahrscheinlich war ich einfach locker genug, hatte keine hohe Erwartungen an mich und bin bereits im Vorfeld mit einer super Stimmung nach Warnemünde gereist, sodass es einfach genial lief!
Daher: …anders als geplant… aber eine wirklich tolle „Überraschung“ und erstaunlicher Weise hatte ich dabei gar keine Probleme mit meiner Hand!!! J

 

Nachdem wir am Montagabend in Kiel Ellies Auto dann komplett für ihre Heimreise (mit Umweg über Belgien) beladen hatten, ging es für uns beide am nächsten Morgen in meine Heimat. Sightseeing, die Familientreffen und der Besuch im SLSV musste quasi alles in 48 Stunden abgehandelt werden. Es war eine wirklich tolle Zeit zu Hause J  Und dann war es soweit, am Donnerstagmittag musste ich mich vorerst von Ellie verabschieden… L
Doch in Medemblik/Holland zur Weltmeisterschaft werde ich sie mit großer Vorfreude wiedersehen J

 

Elf Tage in Kiel in vollem Fokus auf die Vorbereitung auf die WM Mitte August folgten; 9 Tage segeln und jeden Tag Sport mit Fokus auf Ausdauer-, Bein-, Rumpf- und nun auch mal wieder Terraband-Armtraining!!!

 

Am Dienstag 18. Juli führte mich mein Weg dann mit VW Caddy und Anhänger zum Training nach Travemünde. Die Laser-Jugend hatte dort ab dem 25. Juli die Int. Deutsche Jugend Meisterschaft (U-20; dafür bin ich ja leider schon viel zu alt… L), sodass der SVN-Laserkader vor Ort trainierte. Also nutzte ich die Chance um mich endlich mal wieder mit anderen Booten im Training messen zu können und mich so weiter auf meine WM vorzubereiten. …denn alleine ist man ja bekanntlich immer die Schnellste…! J
Wir waren jeden Tag auf dem Wasser und hatten unterschiedlichste Bedingungen, die ersten zwei Tage war wirkliches Kaiserwetter, coole Wellen, toller Wind und Sonne!!! Die nächsten Tage waren dann leider nicht mehr so mit Wind bestückt, dennoch waren es gute Trainingseinheiten, bei denen man in den Flautenpausen auf dem Wasser auch mal gut das Rumpf-Workout auf dem Laser machen konnte!!! (Bis dato hatte ich das noch nie gemacht!!! Für alle die es nicht glauben: die einfachsten Übungen um das hundertausendfachste schlimmer 😛 J )
Nach 6 Tagen Training ging es für mich am Sonntagnachmittag, nach dem geplanten, jedoch nicht ganz so vollständigen SLSV-Segler-Gruppenfoto, wieder nach Kiel.

 

Am Montag ging es Segeln und am Abend machte ich mich auf den Weg nach Wunstorf. Am letzten Dienstag hatte ich nämlich um 15:00 Uhr einen von unserer Jugendwartin,  Andrea Schlüter, organisierten (Foto-)Pressetermin mit dem Vertreter der Sparkasse Hannover, Herrn Michael Scholz,um meinen Sparkassen Sportsfond Check in Wert von 1500,-€ zu übernehmen. Vielen lieben Dank hierbei noch einmal an die großzügige Unterstützung durch die Sparkasse Hannover und Herrn Scholz, sowie natürlich auch an Andrea und den SLSV die mir dies überhaupt erst ermöglicht haben!!! J J J

 

Ein weiterer Entspannungstag, an dem ich meine ältere Cousine Lisa traf,  in der Heimat folgte, an dem ich mich dann jedoch wegen der Verkehrslage (Hannover-Kiel mit den ganzen Baustellen zur Zeit) spät abends auch schon wieder auf den Weg Richtung Kiel machte, denn am nächsten Tag stand dann ja auch schon wieder ein neuer Trainingstag vor der Tür!

 

Die letzten Tage verliefen wieder einmal recht ähnlich: Wassertraining und Athletik-Training! Jetzt fragt sich der ein oder andere bestimmt: „Warum macht Pia das Ganze eigentlich?“
-ganz einfach: mein großes Ziel ist es Mitte August (19.-26.08.2017) auf der WM meinen Kaderstatus für den deutschen Bundeskader vom DSV wieder zu erreichen. Mein Kriterium: Top 5 (8) U-23! Ein hartes Stück Arbeit, doch das will ich unbedingt schaffen! Denn selbst wenn ich dieses Jahr recht gut gesegelt bin und auch Erfolge hatte, werde ich als Leistungssportlerin auf diesem Niveau alleine und ohne Trainingsgruppe leider nicht wirklich viel weiter kommen.
Daher gilt zurzeit für mich „All-In für die WM in Medemblik!“!!!

 

Nun haben wir noch knapp 3 Wochen bis die WM startet. Ich bereite mich den Rest dieser Woche noch intensiv hier in Kiel sowohl segelnder, als auch athletischer Weise vor und dann werde ich am Freitag nach Wunstorf reisen, um dort an unserem Stiftungsfest im SLSV teilzunehmen und dann am Sonntag mit dem Wohnmobil zum Vorbereitungstraining nach Medemblik anzureisen.

 

Zum Glück findet vorab die Laser Radial Jugend-WM in Medemblik statt, so habe ich wieder die Möglichkeit mit dem SVN-Laserkader zu trainieren und mich dann auch noch eine Woche „alleine“ (es werden schon zig andere Laser-Damen da sein) auf die WM vorzubereiten. Natürlich unter dem Sprichwort „All-in für die WM!“ J

Also Daumen drücken ist angesagt, dafür, dass die Hand keine Probleme mehr bereitet, denn ich befinde mich nun wahrscheinlich in der heißesten Phase meiner Saison!!! J

Auf bald im Verein,

eure Pia

 

P.S.: Ein kleiner Hinweis an mich bezüglich dem was alles geplant war oder eben nicht in meiner bisherigen Saison: „Wenn Plan A nicht klappt, keine Sorge das Alphabet hat noch 25 andere Buchstaben.“

 

P.P.S.:  „Wenn ich mich nicht verzählt habe, bin ich jetzt bei Plan K.“ … K-wie Katastrophen-Pia! 😉 J

 

Und hier noch der Link vom SAP-Tracking der Kieler Woche.