zurückRolex Fastnet Race 2019

Das Fastnet Rennen – berüchtigt spätestens seit der Katastrophe von 1979 – ist eine, wenn nicht die bekannteste Offshore-Regatta der Welt. Ich hatte das große Glück in diesem Jahr auf der BROADER VIEW HAMBURG, dem zweiten Schiff des Hamburgischen Verein Seefahrt, einen Crewplatz zu ergattern und an diesem prestigeträchtigen Rennen teilzunehmen.

 

Für die Überführung trafen sich fünf deutsche Yachten eine Woche vorher auf Helgoland, um im Rahmen der von der Segelkameradschaft Wappen von Bremen ausgelobten ROBBE & BERKING GERMAN OFFSHORE TROPHY die rund 500 Seemeilen nach Cowes zu absolvieren. Von gemütlicher Überführung kann aber beim besten Willen nicht die Rede sein, es wurde im vollen Regattamodus alles gegeben – sehr zum Leid der jeweiligen Freiwache, die unter Deck dem ohrenbetäubenden Lärm der Deckswinschen schutzlos ausgeliefert war.

 

In Cowes angekommen, wurden die Tage bis zum Start für Trainingsschläge, Reparaturen an Schiff, Segeln und Tauwerk, sowie dem Kräftetanken genutzt. Das Fastnet warf große Schatten voraus – in Form von Schiffen der Größenordnung RAMBLER 88 oder SCALLYWAG 100, die den großen Solent klein erscheinen ließen. Am Samstag liefen wir dann nach den letzten Vorbereitungen kurz vor Mittag aus, zeigten am Safety Gate unsere Sturmsegel vor, und konnten dann den Start der Multihulls, sowie der IMOCAs und CLASS 40 bestaunen.

 

Wir starteten in IRC 1 gegen 13.45h unter Gennaker und bahnten uns den Weg gen Westen aus dem Solent. Es dauerte nicht lange, bis wir von den besagten Riesen, sowie TP 52s, VO 65s und ähnlichen Konsorten überholt wurden. Die achterlichen Winde ließen uns vor Plymouth leider im Stich und so standen wir mit dem Rest des Feldes für einige Stunden in der Flaute. Zum Glück dauerte der Zustand nicht lange an und wir konnten einen Anlieger Richtung Land’s End starten. Dort angekommen konnten wir am Horizont und dem AIS erkennen, dass uns bereits erste Schiffe entgegenkamen: Die Trimarane von MACIF und Komplizen, die bereits nach 28 Stunden im Ziel waren – wohlgemerkt mit einem Schnitt von über 20 Knoten.

 

Wir ließen uns davon nicht beirren und fuhren diesem sagenumwobenen Felsen weiter entgegen. Montagvormittag, zum Glück bei Tageslicht, rundeten wir den Fastnet Rock – ein wirklich beeindruckender Anblick. Viel Zeit zum Verschnaufen blieb nicht, wir drehten auf Kurs Südost und gaben nochmal alles, um schnell Richtung Ziel zu marschieren. Der Kreativität waren keine Grenzen gesetzt, kurzerhand wurde die Sturmfock zum Staysail umdisponiert, um nochmal einen halben Knoten mehr Boatspeed rauszukitzeln. Land’s End lag kaum hinter uns, da war schon wieder der Spinnaker gesetzt, wir pumpten jede Welle an und wurden mit Geschwindigkeiten von knapp über 20 Knoten belohnt. Der Kraftakt entschädigte uns mit einem Zieldurchlauf am Dienstagmittag, nach etwa 2 Tage und 22 Stunden gesegelter Zeit. Nach berechneter Zeit steht ein 14. Platz von 62 Schiffen in IRC 1, Platz 62 von rund 340 Schiffen in IRC Overall, sowie das beste deutsche Amateurschiff zu Buche. Belohnt wurden wir abschließend mit einem Liegeplatz längsseits der VO 65 von Team Brunel, die uns netterweise einen Einblick in das Ocean Race Leben gegeben haben.

 

Insgesamt war es eine neue, tolle Erfahrung, die uns als Crew alles abgefordert hat. Der teils recht schwere Seegang macht das Leben, vor allem Unterdeck, sehr mühsam und zehrte merklich an den Kräften der Crew. Bis aus das Sturmgroß durfte die gesamte Segelgarderobe mindestens einmal den Dienst antreten. Insbesondere die häufigen Segelwechsel und das damit verbundene Legen konnten ordentlich Nerven kosten, was aber spätestens beim Zieldurchlauf bereits vergessen war. Kein Wunder also, dass ein Großteil der Crew schon jetzt angemeldet hat, in zwei Jahren wieder dabei sein zu wollen.

 

 

Unter den nachstehenden Links gibt es noch tolle Videos, die einige Eindrücke und Meinungen von den Schiffen des HVS zeigt:

 

 

 

 

 

 

 

Lennart Eberlein